Dienstag, 14. März 2017

Wort-Wispern: Ein Brief für dich

Wort-Wispern: Ein Brief für dich: Manchmal kann ich selbst kaum glauben, wie viel Zeit seit meinem jeweils letzten Blogeintrag schon vergangen ist und bekomme ein richtig sch...

Ein Brief für dich

Manchmal kann ich selbst kaum glauben, wie viel Zeit seit meinem jeweils letzten Blogeintrag schon vergangen ist und bekomme ein richtig schlechtes Gewissen. Deshalb hier der längst überfällige nächste "Eintrag ins Tagebuch" - und welche Neuigkeit könnte sich dafür besser eignen als das Erscheinen eines neuen Buches?!?
Ein Brief für dich - so der Titel meines neuen Dorothea-Morgenroth-Romans - handelt von drei verschiedenen Personen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen, die jeweils einen anonymen Brief erhalten. Und von der Verfasserin dieser Briefe, die allerdings weitgehend im Hintergrund bleibt. Inspiriert von eigenen Lebenserfahrungen sieht diese es als ihre Aufgabe, anderen Menschen mittels eines Briefes Mut und Hoffnung zuzusprechen, egal, wie deren Lebensbedingungen gerade aussehen.
Esther, 44 Jahre alt, alleinstehend, beide Kinder sind bereits aus dem Haus, ist eine der Empfängerinnen dieser Botschaften, und folgendermaßen lauten die ihr zugedachten Zeilen:
Denk daran,
wo immer du dich niederlässt:
Er ist schon da,
der dich getragen, geprägt,
geführt und befreit hat.
Er ist schon dort,
der dich in Ungeahntes, 
Neues führt.
Er ist schon dort.
Geh mit ihm,
erfahre ihn, wie du es nie geglaubt.
Er ist schon dort.
Geh - du bist nicht verlassen - 
Der Herr zieht mit.
(Bernhard von Clairvaux)  
Und während Esther sich noch fragt, was in aller Welt sie mit diesem Zitat, diesem anonymen Brief anfangen soll, kommen die Dinge ins Rollen... 

Donnerstag, 15. September 2016

Hier eine letzte Kostprobe aus "Die Seiten des Lebens":
(...) Auch ihm fiel das Atmen schwer, er keuchte nicht nur vom raschen Lauf. Auf ihrem Weg zu dem unterirdischen Tintenfluss war das definitiv nicht der Fall gewesen. In seinem Eifer voranzukommen hatte er dieser Tatsache bislang nur keine Beachtung geschenkt. 
Dabei war bisher nur ein einziges Buch, jedoch mehrere weitere Abzweigungen in Sicht. Wenn sie noch weiter in dieses Gangsystem oder die Katakomben, um die es sich möglicherweise handelte, vordrangen, könnte der Sauerstoff tatsächlich knapp werden! Andererseits gab es keine Alternative: er musste seinen Weg gehen, gleichgültig, in welche Gefahren er sich dabei begab.
"Sie dürfen gerne umkehren", doch seine Begleiterin ließ ihn nicht ausreden: "Sehen Sie mal, hier muss schon vor uns jemand entlang gegangen sein!" 
Verwundert streckte sie ihm eine schwarze Baskenmütze entgegen. Ein kursiv gedrucktes lateinisches A und ein griechisches Pi hafteten an ihrem Rand. 
"Das wundert mich nicht! Wie das Buch über die Seele beweist, haben sich in der Vergangenheit schon mehrere Menschen auf den Weg zum Weltgedächtnis gemacht."
"Aber diese Mütze hier ist nicht einmal nass oder auch nur feucht, obwohl sie am Boden lag - es kann nicht lange her sein, dass ihr Träger sie verloren hat! Zudem", nachdenklich drehte sie die Baskenmütze zwischen ihren Händen, "scheint mir, dass ich die erst neulich irgendwo gesehen habe!" 
"Zeigen Sie mal her!" Nun doch ein wenig stutzig geworden, griff er nach der Baskenmütze. Das A fiel zu Boden, und noch ehe Theodore Gelegenheit fand, die Mütze zu befühlen, dröhnte aus der Richtung, aus der sie gekommen waren, ein lauter Knall, gefolgt von einem ruckartigen Anschlag, als würde mit voller Wucht ein Riegel vorgeschoben. Höhnisches Gelächter begleitete die Aktion. 
"Was-" schockiert blickte Lizzy von den engen Wänden, die das Gelächter mit unmenschlichem Dröhnen zurückwarfen, zu Theodore, dann setzten sich beide in Bewegung. So rasch der glitschige Untergrund es zuließ liefen sie den Gang zurück, schlitterten über die Buchstaben, fingen sich an den Wänden ab um nicht zu fallen, hasteten die Treppe hinauf und erreichten in kürzester Zeit die Kellertüre. Sie war verschlossen, und kein Griff oder Türknauf befand sich auf der ihnen zugewandten Seite.
"Das darf doch wohl nicht wahr sein!", rief Lizzy aus, während Theodore stumm gegen das massive Holz drückte. Die Tür bewegte sich nicht einen Millimeter ...
Fortsetzung auf Seite 162 in "Die Seiten des Lebens"!

Dienstag, 13. September 2016

Heute eine weitere Kostprobe aus "Die Seiten des Lebens":
Theodore näherte sich dem Gebäude mit seiner geschlossenen Türe nur zögernd... Zu seiner Überraschung war auch das Innere dieses Hauses unbewohnt: Bis auf einen ansehnlichen Berg Buchstabenblätter war der Raum vollkommen leer. Der Lichtschein kam aus einem Kellerabgang an der gegenüberliegenden Wand. Durch das in dem feuchten Raum vor sich hin modernde Buchstabenlaub tastete er sich an den Kellerabgang heran. Eine in Fels gehauene Treppe führte steil bergab. 
"Was mag das sein?" Lizzys Frage machte Theodore bewusst, dass sie ihn wieder eingeholt hatte. 
"Mit Sicherheit ein Keller voller Bücher!", antwortete sie sich unmittelbar darauf selbst. "Dieses Licht ist dasselbe, das auch von denjenigen auf dem Bücher-Schiff ausging!" 
"Ganz recht!" 
Theodore betrat die Stufen. Auch sie waren bedeckt mit feuchten, vermodernden Buchstabenblättern und es erforderte seine ganze Aufmerksamkeit, nicht darin auszugleiten. Je tiefer er gelangte, desto intensiver wurde der Duft nach Fäulnis und Tod, der hier von dem Laub ausging, doch desto heller wurde auch das Licht. Die Bücher konnten nicht mehr allzu fern sein. Dann hatte er den Fuß der Treppe erreicht und vor ihm erstreckte sich ein Gang, ähnlich demjenigen, durch den sie zum Schiff gelangt waren. Das zunehmende Leuchten zog Theodore unaufhaltsam vorwärts, auch dann noch, als der Gang sich in mehrere Seitengänge verzweigte. Unbeirrt folgte er dem Licht. 
"Halten Sie an, Mr. Miller!", rief Lizzy schließlich. Mit unglücklichem Gesichtsausdruck stand sie an der Abzweigung. "Ich finde, wir sollten diesem Gang nicht weiter folgen!" 
"Und weshalb nicht? Er führt uns zu weiteren Büchern, wie Sie selbst sagten, und deshalb näher zum Ziel! Wenn mich nicht alles täuscht, sehe ich auch bereits das erste Buch dort vorne!" 
"Ich...weiß auch nicht. Ich habe einfach ein ganz schlechtes Gefühl bei dieser Sache. Außerdem: haben Sie nicht diesen ekelhaften Geruch bemerkt? Ich bekomme schon fast keine Luft mehr bei diesem Gestank nach Fäulnis!" Schützend hielt Lizzy ihr Halstuch vor Mund und Nase.
Theodore hielt inne. Überrascht blickte er von dem leuchtenden Buchcover ein Stück gangabwärts zurück zu Lizzy. Sie hatte Recht: Der Fäulnisgeruch des allgegenwärtigen Buchstabenlaubs wurde immer intensiver, verdichtete sich zu etwas, das schon fast an Gas erinnerte. Auch ihm fiel das Atmen schwer, er keuchte nicht nur vom raschen Lauf...

...to be continued... in wenigen Tagen und selbstverständlich in voller Länge in: "Die Seiten des Lebens" von Monika Dockter

Dienstag, 6. September 2016

(...) Ehe die Schwingen ihrer Fantasie Lizzy vollends davontragen konnten, brachte eine Bewegung zu ihrer Rechten sie wieder zurück in die Gegenwart. Theodore streckte die Hand aus, um sich an der Reling festzuhalten. Einen Wimpernschlag später spürte sie es ebenso: das Schiffsdeck begann, unter ihren Füßen davon zu gleiten. Haltsuchend klammerte sie sich an den Ärmel von Theodores Jackett, den sie eben noch zu fassen bekam, und rief aus: "Was hat das denn zu bedeuten?"
"Das kann ich Ihnen auch nicht sagen! Wenn ich nicht wüsste, dass das unmöglich ist, würde ich sagen, das Schiff fährt bergauf!" Theodore löste entschlossen ihre Hand von seinem Ärmel. (...) 
"Sogar ziemlich steil bergauf!", fügte er dabei hinzu. "Das Deck würde nicht dermaßen unter uns hinweg gezogen werden, wenn der Schiffsbug, wo wir stehen, sich nicht heben würde."
"Das ist ja richtiggehend unheimlich!" Etwas wie Sorge machte sich in Lizzy breit. "Wenn wir nur endlich etwas mehr erkennen könnten, wäre mir ein wenig wohler." Sie beugte sich ein Stück über die Reling und starrte angestrengt in den das Schiff umgebenden Mantel aus schwarzem Nichts.
"Ich glaube, darauf brauchen Sie nicht mehr lange zu warten! Sehen Sie dort!" Mit ausgestrecktem Zeigefinger wies Theodore auf die Uferlinie. Der helle Streifen wand sich nicht nur nach oben wie der Weg an einem Berghang, sondern wurde zunehmend breiter, ganz so, als wären die Schiffswände nicht mehr die einzige Lichtquelle. Die Tinte des Flusses schluckte nicht mehr die gesamte Helligkeit, sondern verlor an Schwärze, wurde transparenter, und besaß auf einmal deutlich mehr Ähnlichkeit mit Wasser als zuvor. Tintiges, schweres, öliges Wasser, das zweifelsfrei nach - oben floss! 
"Ich fasse es nicht!", rief Lizzy. Mit jeder Sekunde zeichneten sich die Konturen am Ufer deutlicher ab. Sie wurden zu einem Berghang, dann zu scharfkantigen, steil in die Höhe ragenden Felsen, über die der Fluss sich kraftvoll in die Höhe ergoss. "Ein Wasserfall, der nach oben fällt oder strömt oder wie auch immer!" 
Scharf sog auch Lizzys Reisegefährte die Luft ein...
Ausschnitt aus "Die Seiten des Lebens", ab sofort erhältlich als e-book und Printausgabe. Weitere Fortsetzung folgt!
   
 

Montag, 5. September 2016

...Der papierene Korpus des fantastischen Schiffes unter ihr erzitterte und Lizzy spürte, wie etwas in Bewegung geriet. Genau wie ein Zug, in dem man schon eine Weile vor der Abfahrt Platz genommen hat und der sich so langsam in Fahrt setzt, dass man dies nur am allmählichen Fortgleiten des nebenan liegenden Bahnsteigs bemerkt, glitt das Schiff über die Tintenfläche... Diesmal war es schon etwas weniger spektakulär, dass ein simples Blatt Papier, beschrieben mit einer Lebensgeschichte, für ihr Vorankommen sorgte, denn es war genau das, was Theodore Miller hier an ihrer Seite erwartet beziehungsweise erhofft hatte. Reglos verharrte der Mann neben ihr und starrte in die Dunkelheit jenseits der Reling. Der steife Ärmel seines tintengetauften Jacketts streifte ihren eigenen Arm und sie hörte seinen Atem, rasch und flach vor Aufregung. Einer Aufregung, die er sichtlich vor ihr zu verbergen suchte. 
Sie konnte es ihm nicht verübeln. Der Mann hatte im Lauf der letzten Monate einiges mitgemacht: Lizzy konnte sich nicht einmal ansatzweise vorstellen, wie es für ihn gewesen sein musste mit anzusehen, wie seine Frau ermordet wurde. Wie es sein musste, sich selbst zumindest eine Teilschuld am Tod des geliebten Partners zu geben....
Wen wunderte es, dass er jetzt seine ganze Kraft einsetzte und Zähne und Klauen ausfuhr, um das wieder zu bekommen, was ihm offenbar das liebste im Leben war: seine Simone. Und wer mochte ihm verdenken, dass er bei dem Unternehmen lieber keine Begleiter oder auch nur Mitwisser hatte. Lizzy konnte noch jetzt kaum fassen, was er ihr vorhin offenbart hatte. Sein Wissen, nein seine Erkenntnis, über das große Weltgedächtnis, gewachsen aus nur wenigen Fakten und desto mehr Mutmaßungen, zog Lizzy mehr in den Bann, als der fesselndste Handlungsstrang eines Romans es jemals vermocht hatte. 
Irgendwo in ihrem tiefsten Inneren hatte sie schon immer gehofft, dass all jene Bücher, die auf eine Welt jenseits ihres eigenen Horizontes, ihrer eigenen Dimension, hinwiesen, nicht nur der Fantasie ihres Autors entsprangen, sondern der Wahrheit entsprachen. Nun hatte sie den Beweis dafür: Fast ohne ihr eigenes Zutun befand sie sich persönlich plötzlich in einer solchen Welt! Noch dazu in einer Dimension, die für Lizzys Begriffe die bestmögliche aller vorstellbaren Welten darstellte. Eine Welt voller Worte, voller Bücher - eine Welt des geschriebenen Wortes...  

Na, neugierig geworden? Die Fortsetzung dieses Textes erwartet dich in den nächsten Tagen hier auf dem Blog und selbstverständlich komplett in meinem neuen Roman "DIE SEITEN DES LEBENS", der ab sofort auch als e-book und als Druckversion erhältlich ist...

Samstag, 6. August 2016

Sommerferien

Mittlerweile sind sie auch bei uns in Bayern angekommen, die Sommerferien. Während andere Kinder bereits wieder in ihren Klassenzimmern s(chw)itzen, pilgern unsere Schüler frohgemut ins Freibad und an die Baggerseen - falls sie nicht mit ihren Eltern in noch südlichere und sonnigere Gefilde gereist sind. In unserer Familie kommt diesen Sommer allerdings nur ein Mitglied in den Genuss der Ferien, und das nicht einmal in voller Länge: Für etliche Wochen steht ein Ferienjob auf dem Programm. Den Führerschein gibt´s schließlich nicht umsonst...  
Naja, untätig in der Sonne zu liegen ist eben nicht alles, was Ferien ausmacht! Sich beispielsweise mit einem Buch vor Augen in der Sonne - oder auch im Schatten - zu räkeln, erhebt den Ferien-bzw. Urlaubsmenschen bereits weit über die reine Untätigkeit hinaus und gehört für mich definitiv zu den schönsten Arten, Urlaub zu genießen!
Aus diesem Grund freut es mich besonders, gerade jetzt in den Ferien meinen neuen Roman anzukündigen. Ab sofort (bei amazon) als kindle e-book und demnächst auch als print-Ausgabe zu haben: "Die Seiten des Lebens", eine fantastische Geschichte über eine Reise durch die Welt des geschriebenen Wortes. "Vox audita perit, littera scripta manet."  
Viel Vergnügen beim Lesen!

Freitag, 17. Juni 2016

Nach langer Sendepause

Nach langer Sendepause melde ich mich hier wieder einmal zu Wort.
Es gibt Zeiten im Leben, in denen man sich aufs schiere Überleben konzentrieren muss, physisch ebenso wie seelisch, geistlich. Zeiten, in denen Worte, so treffend und aussagekräftig sie sonst sein mögen, niemals ausdrücken könnten, wie ich mich tatsächlich fühle. Zeiten, in denen jedes einzelne Wort, das ich trotz allem niederschreibe, zu persönlich ist, um es einem Außenstehenden anzuvertrauen...
Eine solche Zeit liegt gerade hinter mir, hinter meiner ganzen Familie. Und auch jetzt, da wir allmählich zur Normalität zurückkehren dürfen, finde ich nicht unbedingt die passenden Worte, um meine Leser an unserem Erleben teilhaben zu lassen, sodass ich stattdessen einen Psalm zitiere. Der Liedermacher David drückt hier ziemlich knapp, aber klipp und klar aus, was meine Familie und ich in diesen Monaten erfahren haben:

Gott ist unsere Zuversicht und Stärke,
eine Hilfe in den großen Nöten,
die uns getroffen haben.
Weil er bei uns ist, 
brauchen wir nicht zu verzweifeln.

Übrigens erscheint nächstes Frühjahr ein neuer "Morgenroth"-Roman, in dem ein Teil dieser meiner Erlebnisse verarbeitet ist... 

Mittwoch, 20. Januar 2016

Ohrensessel zum Zweiten

Seit Kurzem gibt es einen noch einen weiteren Nutznießer meines Ohrensessels: Welpe Sydney. Sie füllt den Sessel nicht ganz so aus wie ich und nutzt ihn auch eher zum Hineinlümmeln und Schlafen als zum Arbeiten, aber immerhin ...


Wer mehr Amüsantes über das faule Leben eines Autorenhundes erfahren will, darf bei Gelegenheit gerne mal meinen Blog "Hund-mit-Autor" besuchen =)

Freitag, 8. Januar 2016

Der Ohrensessel

Über Weihnachten hat ein Möbelstück in unserem Wohnzimmer Einzug gehalten, das ich mir schon lange gewünscht habe, aber irgendwie war bisher nie die richtige Gelegenheit, es anzuschaffen. Doch Weihnachten macht´s möglich...
Nun steht der Ohrensessel also stolz in seiner Zimmerecke und verlockt nicht nur mich, in seiner Tiefe zu versinken, die Füße elegant auf dem zugehörigen Hocker platziert und das weiche Fellkissen, eher gemütlich als graziös, an den Bauch gedrückt. Auch als Arbeitsplatz ist der Sessel nicht ganz ungeeignet, sofern ich statt des Kissens meinen Laptop auf den Schoss nehme. Selbstverständlich weiß jeder längst, dass ein Ohrensessel typischer Bestandteil von Bibliotheken in zugigen, alten englischen Landhäusern war, aber dass er tatsächlich als Arbeitsplatz für Schriftsteller diente, entdeckte ich erst kurz nachdem ich es selbst praktiziert hatte: In einem Buch fand ich die Abbildung eines bekannten britischen Autors, dessen hauptsächlicher Arbeitsplatz sein "wing-chair" war.
Roald Dahl - Verfasser von Kinderbüchern wie "Charlie und die Schokoladenfabrik" und "Matilda" - arbeitete am liebsten in seinem Gartenhäuschen, sitzend im wing-chair, über dessen Armlehnen er als Schreibunterlage ein Brett gelegt hatte, auf dem er (von Hand auf einem Schreibblock) zu schreiben pflegte. Ob oder inwieweit nun der Sessel zu seinem schriftstellerischen Erfolg beigetragen hat, ist wohl schwer nachzuprüfen, aber jedenfalls fühle ich mich bei meiner Arbeit an diesem Platz künftig in bester Gesellschaft. Möglicherweise wird mein wing-chair-Arbeitsplatz auch mir schriftstellerische Flügel verleihen, irgendwann in ferner Zukunft =)

Dienstag, 1. Dezember 2015

Die Kunst der Prokrastination oder "Ironische Selbstbetrachtung"

Ich vermute, jeder kennt sie (nur nicht zwingend unter dieser Bezeichnung), der Großteil der Menschheit praktiziert sie - gelegentlich zumindest - und etliche von uns haben es darin zu wahrer Kunstfertigkeit gebracht. So wie ich.
"Prokrastination" - laut Duden: Verschieben/Aufschieben von anstehenden Aufgaben/Tätigkeiten. Anders ausgedrückt heißt prokrastinieren: ich schiebe etwas auf die lange Bank. Ein Beispiel: Ich erhalte einen Brief von meiner Krankenkasse, der mich zu einer mir altersmäßig zustehenden Vorsorgeuntersuchung auffordert. Kein Problem. Ich öffne den Brief, werfe einen Blick hinein und "schiebe" ihn zuunterst in den Stapel geöffneter Briefe.
Ich sollte jemanden anrufen, um einen Termin zu bestätigen, eine geplanten Termin abzusagen oder Ähnliches? Kein Problem. Ich schreibe einen Zettel, um mich selbst daran zu erinnern und schiebe den Zettel hinüber auf besagten Briefstapel. Jetzt liegt er direkt über dem Brief von der Krankenkasse und harrt der Dinge, die da kommen...
Aber das ist ja wahrhaftig noch keine "Kunst" der Prokrastination. Hier handelt es sich samt und sonders um Unangenehmes, um ungeliebte Tätigkeiten, die ich leichten Herzens aufschiebe. Zur Kunst wird mein Prokrastinieren erst, wenn ich angenehme, geliebte Tätigkeiten aufschiebe. Das Schreiben beispielsweise.
Ich schreibe wirklich ausgesprochen gerne. Es gehört zu meinem Leben wie Lesen, Essen, Schlafen. Tue ich es nicht, werde ich entweder unausgeglichen, grantig oder deprimiert oder alles gleichzeitig. Und dennoch bringe ich es fertig, an meinem Arbeitsplatz zu sitzen, vor mir nichts als die Tastatur und ein leerer Bildschirm, und ich prokrastiniere: e-mails aufrufen (sie könnten ja wichtige Nachrichten des Verlags enthalten), die Verlagsseite überprüfen (wo stehen meine derzeitigen Bücher auf der Beliebtheitsskala), meinen Namen samt Pseudonym googlen um neue Einträge zu entdecken, nachsehen, was sich auf fb tut (Autorenkollegen posten oft wichtige Artikel!) - bald jeder Tag bietet neue Optionen, von Tag zu Tag verlängert sich meine Aufschiebebank und meine Kunstfertigkeit wächst! Ich weiß nicht, ob irgendjemand mich in diesem Bereich toppen kann. Vielleicht sollte ich mal einen diesbezüglichen Weltrekordversuch starten, um wenigstens im Guinness-Buch der Rekorde unsterblichen Ruhm zu erlangen?!?
Aber jetzt mache ich Schluss mit diesem Eigenlob, um etwas zu schreiben, was tatsächlich Sinn macht...

Donnerstag, 1. Oktober 2015

Goldener Oktober

Für all diejenigen, denen es ähnlich ergeht wie mir - nämlich dass sie in gewissen Tagen zu gewissen Jahreszeiten regelrecht schwelgen können - hier ein kurzer Auszug aus einer (noch nicht veröffentlichten) Weihnachtserzählung:
 
... Es war ein Tag im Oktober, so golden, wie er sonst nur im Bilderbuch zu finden ist: Die Sonne strahlte von einem azurblauen Himmel, und obschon ihre Strahlen nur wenig Wärme erzeugten, verwandelten sie jeden Baum und jeden Busch am Wegrand in eine Dame mit leuchtend gelb und rot gefärbtem Ballkleid. Leise raschelten die festlich gewandeten Damen im sanften Windhauch, wobei gelegentlich ein Stückchen ihrer Pracht zu Boden schwebte, deutlich lauter und unsanfter raschelten die Füße der Passanten im Blätterteppich, der den Gehweg bereits bedeckte. 
Die Füße von Renate Rybak - Fräulein Renate Rybak - bildeten da keine Ausnahme. Mag sein, dass sie das Laub weniger aufwühlten als ein Paar Kinderfüße in Gummistiefeln, die gerade eben voller Begeisterung hindurchgepflügt waren, dennoch trampelten auch Renate Rybaks schlichte braune Damenpumps die bunte Pracht am Boden platt. Bis - ja, bis sie plötzlich schwungvoll gegen einen harten, im Laub verborgenen Gegenstand stießen...

Dienstag, 15. September 2015

Letzter Post aus dem Schreibgarten

Zum Abschluss meines Schreibgartenprojekts und auf Wunsch einer Leserin hier ein kleines Bild meines neuen, eigenhändig erschaffenen Protagonisten!

Mittwoch, 2. September 2015

Schreibgarten - Das Ende eines Sommerprojekts

So wie sich - laut Meteorologen zumindest - der Sommer mittlerweile verabschiedet hat, neigt sich auch das Projekt Schreibgarten seinem Ende entgegen. Und zwar halbwegs erfolgreich, meine ich. Durch einen  auffälligen neuen Protagonisten (schattiger Zweitsitzplatz mit Backsteinmauer) und ein paar weniger auffällige neue Nebendarsteller (frisch angelegtes Staudenbeet, Umdekorierung der Teichecke usw) bietet mir mein Garten einen recht erfreulichen Anblick. Es ist ein gutes Gefühl, morgens von der Terasse aus hinunterzublicken und zu wissen, das alles ist "auf meinem eigenen Mist gewachsen". Zugegeben, ein neues, vollendetes Manuskript in den Händen zu halten, ist noch erhebender, aber immerhin...
Und wenn ich eines gelernt habe durch mein Projekt Schreibgarten, ist es dies: Dranbleiben heißt die Parole, bei sengender Sonne und Trockenheit genauso wie in Regen und Sturm! Und wenn ich in nächster Zeit vermehrt wieder im Arbeitszimmer am Schreibtisch sitzen und von hier aus beobachten werde, wie im Herbstwind die Blätter um meine Mauer tanzen, gilt dieses "Dranbleiben" nicht minder. Nur, dass die Betonung nun wieder auf dem Schreiben liegt statt auf dem Garten - endlich! Den Anfang macht heute ein kleines Gedicht von Friedrich Hebbel, der den Herbst offenbar genauso schätzte wie ich:
Dies ist ein Herbsttag, wie ich keinen sah!
Die Luft ist still, als atmete man kaum,
und dennoch fallen raschelnd, fern und nah,
die schönsten Früchte ab von jedem Baum.
O stört sie nicht, die Feier der Natur!
Dies ist die Lese, die sie selber hält,
denn heute löst sich von den Zweigen nur,
was vor dem milden Strahl der Sonne fällt. 

  

Mittwoch, 22. Juli 2015

Worte wie Wasser

Morgens um sieben: Das Thermometer im Garten zeigt 19,2 Grad Celsius. Im Schatten unter dem Apfelbaum. Im Lauf des Tages sollen es noch circa 15 Grad mehr werden.
Seit Tagen - mit gelegentlichen Unterbrechungen Wochen - geht das jetzt so. Die braunen, dürren Stellen im Rasen werden immer deutlicher sichtbar. Der Boden im Staudenbeet ist rissig und hart und ich weiß, dass die Blüten von Hortensie und Phlox um die Mittagszeit saft-und kraftlos vom Stängel hängen werden. Dabei werde ich erst wenige Stunden vorher gründlich gegossen bzw. gesprengt haben. Aber bei dieser Hitze schreit der Garten fast hörbar nach Wasser.
Und nicht nur der. Wahrscheinlich lechzt die ganze Natur (wir Menschen eingeschlossen) nach einem frischen, laaaaaanganhaltenden Schauer oder einer ausgiebigen Plantscherei im kühlen Nass.
Genauso erfrischend, ja wachstumsfördernd und lebensspendend wie das ersehnte Wasser für die Pflanzen wirkt manchmal das richtige Wort zur richtigen Zeit. Stecke ich in knochentrockenem, unnachgiebig hartem Untergrund fest und/oder knallt die Hitze von Alltagssorgen und speziellen Problemen auf meinen Kopf herunter, brauche ich vielleicht genau so ein erfrischendes, ermutigendes "Wasser-Wort". Egal, ob ich es nun lese oder ob jemand es mir unmittelbar zuspricht.
Umgekehrt darf ich als Autorin, aber auch ganz schlicht als Mutter, Freundin, Nachbarin und Mitmensch jemand sein, der derartige Worte an sein Umfeld weitergibt. Eigene Worte ebenso wie die "Wasser-Worte" anderer, weiserer Menschen.
Deshalb hier mein Zitat/mein kleiner Regenschauer für die Hitze des heutigen Tages: Was vor uns liegt und was hinter uns liegt, sind Kleinigkeiten im Vergleich zu dem, was in uns liegt. Und wenn wir das, was in uns schlummert, nach außen in die Welt tragen, geschehen Wunder (Henry David Thoreau).   


Donnerstag, 18. Juni 2015

Urlaub vom Schreibgarten

Urlaub vom Schreibgarten, oder auch: Dranbleiben!!!
Vermessungstechnisch und planerisch auf dem Papier ist mein Garten wunderschön. Bunt, abwechslungsreich und wohlgeordnet ist jeder einzelne Gartenraum verzeichnet. Hier der Schattengarten mit Sitz- (und Schreib-)platz für die heißen Mittagsstunden, dort der Teich mit Liegestuhl und meine italienische Ecke mit duftenden Gewürzen ...   Nicht ganz perfekt vielleicht, aber doch nahezu. Jetzt geht es ans Umsetzen der Pläne. Stunde um Stunde verbringe ich draußen im Freien, grabe um, reiße (buchstäblich) einen Baum aus und entferne Wurzeln, säe und planze, und zwar bei jedem Wetter. Was dieser kleine Zusatz in dem hinter uns liegenden Frühling bedeutet hat, kann man sich leicht ausmalen - von Schniefnase bis Sonnenbrand war alles drin.
Aber ich lasse nicht nach, denn: Dranbleiben ist wichtig. Ich kann keine Staude pflanzen und sie nicht im Anschluss wässern, nur weil es mir zu windig oder meine Garten-Zeit für heute abgelaufen ist, oder aber die Tomatenpflanzen setzen und sie im guten Glauben, dass sie von selbst in die richtige Richtung wachsen, einfach wuchern lassen. Nein, Pflanzen brauchen Pflege, ständige Aufmerksamkeit und eine tatkräftige Hand. Genau wie die das, was ich zu Papier bringe.
Platziere ich einen Gedanken nur, um schnell was fürs Auge zu haben, an seinen planmäßigem Stellplatz, ohne ihm genügend Raum für seine Wurzeln und ständigen Wassernachschub zu gönnen, dann ist er vielleicht das nächste Mal, wenn ich daran weiter arbeiten möchte, schon vertrocknet. Ein Setzling, saft-und kraftlos zu Boden gestreckt, Insekten und Schnecken machen sich über seine Reste her. Nein, Plot-Ideen wollen in aller Konsequenz zu Ende gedacht werden, Charaktere von allen Seiten beleuchtet und ihre guten Seiten gepflegt und gewässert werden...
Ergo: Ich bleibe dran, im Garten sowie im Manuskript, bis - der Urlaub naht. Zwei Wochen Abwesenheit von Haus und Heim und das Chaos bricht aus! Zaunwinde, deren Ansätze ich noch vor dem Urlaub ausgerissen habe, umschlingt Stauden und Sträucher bis sie nahe am Ersticken sind, frische, grüne Blätter sind den Schnecken zum Opfer gefallen und der Rasen ist eine Wiese aus blühenden, viel zu hohen Gräsern. Das, was wachsen sollte, hat abgenommen, alles andere ist wild gewuchert. Chaos, wie gesagt. Nicht, dass bei einem Manuskript derselbe Wildwuchs droht, wenn ich Urlaub mache, hier drückt sich das Chaos eher in Leere aus. Wo sind sie hin, meine genialen Pläne für den Protagonisten, und weshalb noch mal handelt er jetzt eigentlich auf diese Weise und nicht vollkommen anders??? Chaos und Leere in meinem Kopf...
Jetzt gibt es nur noch eines: Winde ausreißen, Rasen mähen, aufarbeiten, nacharbeiten und die Leere im Kopf wieder füllen mit genialen Gedanken. Wie gut, dass man im Urlaub Zeit hatte, neue Kräfte zu schöpfen =)    

Mittwoch, 6. Mai 2015

Neues aus dem Schreibgarten

Vermessungstechnik im Schreibgarten

Mittlerweile bin ich mir also im Klaren über die Art der Geschichte, die mein Garten/Buch erzählen soll sowie über den Ist-Zustand desselben und begebe mich ans Vermessen meines Grundstücks. Ich messe den Abstand meiner Hausmauer zur Straße, bestimme die genaue Position des Baumes mit dem Spielhaus, das unbedingt erhalten bleiben muss und stelle fest, wie weit die Grenze zum Nachbargrundstück von meiner schon vorhandenen Terasse entfernt ist. Idealerweise zeichne ich all das auch maßstabsgetreu auf Millimeterpapier in einen Lageplan.
Im Blick auf das Schreiben scheint diese exakte Positionierung der einen bisher vorhandenen Szene, die ich vielleicht schon vor langer Zeit verfasst habe oder an der mein Herz aus nostalgischen Gründen hängt wie an dem alten Apfelbaum mit Spielhaus, vielleicht übertrieben, dennoch halte ich sie für wichtig: Diese eine Szene kann das Ausgangselement meiner gesamten weiteren Planung sein!
Ich stelle mich unter den Baum, blicke zum Haus bzw. zur Straße und überlege, auf welchem Weg ich von dort nach hier gelangen möchte, ob ich über weichen, federnden Rasen schreiten oder mich mittels ein paar Trittsteinen durch dicht gepflanzte Rhododendren- und Hortensienbüsche schlagen möchte. Dann drehe ich mich in die andere Richtung, zur hinteren Grundstücksgrenze, und plane, was jetzt konsequenterweise auf Haus - Rasenfläche - Baum mit Spielhaus folgen könnte: Die Rhododendren mit einem halb verborgenen Sitzplatz in ihrer Mitte, ein blühendes, in vornehmem Weiß gehaltenes Staudenbeet, oder - bei entsprechend vielen Quadratmetern - ein bäuerlicher Obstgarten?
Übersetzt für einen vielleicht noch unerfahrenen Schreibgartenanfänger heißt das: Ich plane/plotte meine Handlung genau von der einen, wichtigen Szene aus, frage mich, was muss ihr vorausgehen, damit ich den Leser auf nachvollziehbare Weise vom Anfang des Buches aus hierher transportiere, und was sind die fantastievollen und doch logischen Konsequenzen daraus, um Protagonisten und Leser zu einem ganz bestimmten Ende zu bringen?!?
Ein Ende nämlich ist ebenso unvermeidlich wie der hintere Gartenzaun oder die Hecke zum Nachbarn, und ich sollte mir dieser meiner Grenzen schon während der Planung bewusst sein. Bei einer Entfernung von 12 Metern zwischen Haus und Nachbargrundstück sollte ich ebenso wenig eine Parkanlage planen wie eine mehrere tausend Seiten starke Trilogie bei einer täglich verfügbaren "Schreib-Zeit" von einer Stunde. Es sei denn, ich bin a)ein absolutes Genie mit einer äußerst arbeitswilligen Lektorin im Hintergrund oder b)zwanzig Jahre alt und möchte im Lauf meines Lebens nur dieses eine Werk veröffentlichen!
Fazit für heute ist deshalb: Grundstücksvermessung tut not - ich kenne meine Grenzen und orientiere mein Werk an denselben sowie an dem alten Apfelbaum mitten im Garten, an den ich mein Herz gehängt habe!  

Freitag, 3. April 2015

Schreibtagebuch

Schreibtagebuch oder "Mein Schreibgarten"

   Schrieb ich im letzten Blog etwas über viel freie Zeit?!? Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, was ich damit meinte...
   Genau wie ich mir damals vornahm, stürzte ich mich gradezu in die Gartenarbeit. Ich nahm mir vor, meinen Garten vollkommen umzugestalten, aufzupeppen, neu anzulegen, wie immer man es nennen will, und verbrachte jede Minute draußen. So lange das Wetter mitmachte, kam ich auch halbwegs voran, doch die vergangene Woche bremste mich gründlich aus. "Gesegnetes Schreibwetter" nennt eine Autorenkollegin diese Wetterlage, und damit hat sie wohl Recht: Solange es draußen stürmt, hagelt oder schneit ist man doch nirgends besser aufgehoben als am Schreibtisch.
   Nun, hier bin ich, um meine Erkenntnisse der letzten Wochen schriftlich festzuhalten: Schreiben und  Gartenarbeit haben deutlich mehr gemeinsam, als mir bisher bewusst war! Das beginnt schon bei der Planung: Zuerst einmal muss ich mir darüber klar werden, für wen ich den Garten überhaupt gestalte = meine Geschichte schreibe, welche Nutznießer = Leser ich damit beglücken möchte, welche Erwartungen ich erfüllen möchte. Mit 800 Quadratmetern Formschnittgehölzen, Rosen und Lavendel beziehungsweise einem 800 Seiten dicken historischen Schmöker über die Rosenkriege werde ich vielleicht einen England-Fan glücklich machen, niemals aber ein Kind!
   Sobald ich mir also über die gewünschten Nutznießer/Leser und den beabsichtigten Zweck meiner Anlage klar geworden bin, geht es an die Aufnahme des momentanen Ist-Zustandes: Ist es ein ödes, erdbraunes, nur mit einem Neubau besetztes Grundstück oder ein vollkommen leeres, weißes Blatt, das mir entgegenstarrt, oder habe ich bereits ein paar Bäume/Sträucher/Begebenheiten/Szenen, die ich unbedingt in mein Werk miteinbauen will, und - im zweiteren Fall - lassen sie sich im Hinblick auf meinen vorher definierten Zweck auch einbauen? Vielleicht muss ich mich ja von ein paar unzweckdienlichen  Wunschvorstellungen wie einer subtropischen Wasserlandschaft und einer deutschen Südstaatenfamiliensaga verabschieden!?! Naja, wenigstens kann mir niemand verübeln, wenn ich dem heiteren Süden ein paar Tränen nachweine...
   Habe ich die aber schweren Herzens abgewischt, geht es bereits ans Vermessen, Zeichnen, Planen, Plotten und Sammeln von eventuell neuen Wunschelementen - doch dazu mehr beim nächsten Eintrag hier in meinem kleinen Schreibgarten!     

Montag, 9. März 2015

Wort-Wispern: Schreibtagebuch: Anfang und Ende

Wort-Wispern: Schreibtagebuch: Anfang und Ende: Er bräuchte nur einen guten Satz zu schreiben und von da an weiterzumachen, soll Hemingway einmal gesagt haben.  Leichter gesagt als getan...

Schreibtagebuch: Anfang und Ende

Er bräuchte nur einen guten Satz zu schreiben und von da an weiterzumachen, soll Hemingway einmal gesagt haben. 

Leichter gesagt als getan, kann ich dazu nur sagen, wenn dich ein vollkommen leeres, weißes Blatt Papier anstarrt oder dir auf dem Bildschirm ein vollkommen leeres, neues Dokument entgegenleuchtet... Wo ist er dann, der erste gute Satz, und vor allem, der zweite, dritte und vierte???
Manchmal lassen sie sich schon eine Weile bitten, bis sie sich dazu bequemen, auf dem Papier zu erscheinen, aber irgendwann, früher oder später, bringst du sie zum Fließen. Sie füllen die leeren, weißen Stellen aus, Seite um Seite, aus hunderten von Wörtern werden tausende, bis du schließlich feststellst: Jetzt ist es gut. Die Gedanken, die aus deinen Sätzen geworden sind, sind zu Ende gedacht; die Geschichte, die aus ihnen entstanden ist, ist abgeschlossen. Und unter tausende von Wörtern und Sätzen schreibst du das eine, entscheidende letzte Wort: Ende.  
Genau das tat ich vor einigen Tagen: Unter eine Geschichte, die ich monatelang, Tag und Nacht, in mir trug, hin-und herbewegte, formulierte und wieder umformulierte, setzte ich mein "Ende". Ein erhebendes Gefühl,  so etwas wie Stolz auf deine Schöpfung? Ja. Doch nicht ausschließlich. Was bleibt, ist auch ein wenig Leere. Trauer. Es gilt, Abschied zu nehmen von der vertrauten, erdachten Welt, von lieb gewordenen Figuren und dem Zustand, die Welt durch ihre Augen zu sehen! Abschied zu  nehmen, ist mir noch nie leicht gefallen.
Und überhaupt, was tue ich jetzt mit all der freien Zeit??? Wie gut, dass es mittlerweile Frühling ist und vor meinem Fenster ein in der Sonne dampfender Garten auf meine liebevolle Zuwendung wartet! Wer weiß, vielleicht wird in den nächsten Wochen auch dieser leicht vernachlässigte Blog ein wenig mehr zeitliche Zuwendung bekommen...