Donnerstag, 18. Juni 2015

Urlaub vom Schreibgarten

Urlaub vom Schreibgarten, oder auch: Dranbleiben!!!
Vermessungstechnisch und planerisch auf dem Papier ist mein Garten wunderschön. Bunt, abwechslungsreich und wohlgeordnet ist jeder einzelne Gartenraum verzeichnet. Hier der Schattengarten mit Sitz- (und Schreib-)platz für die heißen Mittagsstunden, dort der Teich mit Liegestuhl und meine italienische Ecke mit duftenden Gewürzen ...   Nicht ganz perfekt vielleicht, aber doch nahezu. Jetzt geht es ans Umsetzen der Pläne. Stunde um Stunde verbringe ich draußen im Freien, grabe um, reiße (buchstäblich) einen Baum aus und entferne Wurzeln, säe und planze, und zwar bei jedem Wetter. Was dieser kleine Zusatz in dem hinter uns liegenden Frühling bedeutet hat, kann man sich leicht ausmalen - von Schniefnase bis Sonnenbrand war alles drin.
Aber ich lasse nicht nach, denn: Dranbleiben ist wichtig. Ich kann keine Staude pflanzen und sie nicht im Anschluss wässern, nur weil es mir zu windig oder meine Garten-Zeit für heute abgelaufen ist, oder aber die Tomatenpflanzen setzen und sie im guten Glauben, dass sie von selbst in die richtige Richtung wachsen, einfach wuchern lassen. Nein, Pflanzen brauchen Pflege, ständige Aufmerksamkeit und eine tatkräftige Hand. Genau wie die das, was ich zu Papier bringe.
Platziere ich einen Gedanken nur, um schnell was fürs Auge zu haben, an seinen planmäßigem Stellplatz, ohne ihm genügend Raum für seine Wurzeln und ständigen Wassernachschub zu gönnen, dann ist er vielleicht das nächste Mal, wenn ich daran weiter arbeiten möchte, schon vertrocknet. Ein Setzling, saft-und kraftlos zu Boden gestreckt, Insekten und Schnecken machen sich über seine Reste her. Nein, Plot-Ideen wollen in aller Konsequenz zu Ende gedacht werden, Charaktere von allen Seiten beleuchtet und ihre guten Seiten gepflegt und gewässert werden...
Ergo: Ich bleibe dran, im Garten sowie im Manuskript, bis - der Urlaub naht. Zwei Wochen Abwesenheit von Haus und Heim und das Chaos bricht aus! Zaunwinde, deren Ansätze ich noch vor dem Urlaub ausgerissen habe, umschlingt Stauden und Sträucher bis sie nahe am Ersticken sind, frische, grüne Blätter sind den Schnecken zum Opfer gefallen und der Rasen ist eine Wiese aus blühenden, viel zu hohen Gräsern. Das, was wachsen sollte, hat abgenommen, alles andere ist wild gewuchert. Chaos, wie gesagt. Nicht, dass bei einem Manuskript derselbe Wildwuchs droht, wenn ich Urlaub mache, hier drückt sich das Chaos eher in Leere aus. Wo sind sie hin, meine genialen Pläne für den Protagonisten, und weshalb noch mal handelt er jetzt eigentlich auf diese Weise und nicht vollkommen anders??? Chaos und Leere in meinem Kopf...
Jetzt gibt es nur noch eines: Winde ausreißen, Rasen mähen, aufarbeiten, nacharbeiten und die Leere im Kopf wieder füllen mit genialen Gedanken. Wie gut, dass man im Urlaub Zeit hatte, neue Kräfte zu schöpfen =)    

Mittwoch, 6. Mai 2015

Neues aus dem Schreibgarten

Vermessungstechnik im Schreibgarten

Mittlerweile bin ich mir also im Klaren über die Art der Geschichte, die mein Garten/Buch erzählen soll sowie über den Ist-Zustand desselben und begebe mich ans Vermessen meines Grundstücks. Ich messe den Abstand meiner Hausmauer zur Straße, bestimme die genaue Position des Baumes mit dem Spielhaus, das unbedingt erhalten bleiben muss und stelle fest, wie weit die Grenze zum Nachbargrundstück von meiner schon vorhandenen Terasse entfernt ist. Idealerweise zeichne ich all das auch maßstabsgetreu auf Millimeterpapier in einen Lageplan.
Im Blick auf das Schreiben scheint diese exakte Positionierung der einen bisher vorhandenen Szene, die ich vielleicht schon vor langer Zeit verfasst habe oder an der mein Herz aus nostalgischen Gründen hängt wie an dem alten Apfelbaum mit Spielhaus, vielleicht übertrieben, dennoch halte ich sie für wichtig: Diese eine Szene kann das Ausgangselement meiner gesamten weiteren Planung sein!
Ich stelle mich unter den Baum, blicke zum Haus bzw. zur Straße und überlege, auf welchem Weg ich von dort nach hier gelangen möchte, ob ich über weichen, federnden Rasen schreiten oder mich mittels ein paar Trittsteinen durch dicht gepflanzte Rhododendren- und Hortensienbüsche schlagen möchte. Dann drehe ich mich in die andere Richtung, zur hinteren Grundstücksgrenze, und plane, was jetzt konsequenterweise auf Haus - Rasenfläche - Baum mit Spielhaus folgen könnte: Die Rhododendren mit einem halb verborgenen Sitzplatz in ihrer Mitte, ein blühendes, in vornehmem Weiß gehaltenes Staudenbeet, oder - bei entsprechend vielen Quadratmetern - ein bäuerlicher Obstgarten?
Übersetzt für einen vielleicht noch unerfahrenen Schreibgartenanfänger heißt das: Ich plane/plotte meine Handlung genau von der einen, wichtigen Szene aus, frage mich, was muss ihr vorausgehen, damit ich den Leser auf nachvollziehbare Weise vom Anfang des Buches aus hierher transportiere, und was sind die fantastievollen und doch logischen Konsequenzen daraus, um Protagonisten und Leser zu einem ganz bestimmten Ende zu bringen?!?
Ein Ende nämlich ist ebenso unvermeidlich wie der hintere Gartenzaun oder die Hecke zum Nachbarn, und ich sollte mir dieser meiner Grenzen schon während der Planung bewusst sein. Bei einer Entfernung von 12 Metern zwischen Haus und Nachbargrundstück sollte ich ebenso wenig eine Parkanlage planen wie eine mehrere tausend Seiten starke Trilogie bei einer täglich verfügbaren "Schreib-Zeit" von einer Stunde. Es sei denn, ich bin a)ein absolutes Genie mit einer äußerst arbeitswilligen Lektorin im Hintergrund oder b)zwanzig Jahre alt und möchte im Lauf meines Lebens nur dieses eine Werk veröffentlichen!
Fazit für heute ist deshalb: Grundstücksvermessung tut not - ich kenne meine Grenzen und orientiere mein Werk an denselben sowie an dem alten Apfelbaum mitten im Garten, an den ich mein Herz gehängt habe!  

Freitag, 3. April 2015

Schreibtagebuch

Schreibtagebuch oder "Mein Schreibgarten"

   Schrieb ich im letzten Blog etwas über viel freie Zeit?!? Ich kann mir gar nicht mehr vorstellen, was ich damit meinte...
   Genau wie ich mir damals vornahm, stürzte ich mich gradezu in die Gartenarbeit. Ich nahm mir vor, meinen Garten vollkommen umzugestalten, aufzupeppen, neu anzulegen, wie immer man es nennen will, und verbrachte jede Minute draußen. So lange das Wetter mitmachte, kam ich auch halbwegs voran, doch die vergangene Woche bremste mich gründlich aus. "Gesegnetes Schreibwetter" nennt eine Autorenkollegin diese Wetterlage, und damit hat sie wohl Recht: Solange es draußen stürmt, hagelt oder schneit ist man doch nirgends besser aufgehoben als am Schreibtisch.
   Nun, hier bin ich, um meine Erkenntnisse der letzten Wochen schriftlich festzuhalten: Schreiben und  Gartenarbeit haben deutlich mehr gemeinsam, als mir bisher bewusst war! Das beginnt schon bei der Planung: Zuerst einmal muss ich mir darüber klar werden, für wen ich den Garten überhaupt gestalte = meine Geschichte schreibe, welche Nutznießer = Leser ich damit beglücken möchte, welche Erwartungen ich erfüllen möchte. Mit 800 Quadratmetern Formschnittgehölzen, Rosen und Lavendel beziehungsweise einem 800 Seiten dicken historischen Schmöker über die Rosenkriege werde ich vielleicht einen England-Fan glücklich machen, niemals aber ein Kind!
   Sobald ich mir also über die gewünschten Nutznießer/Leser und den beabsichtigten Zweck meiner Anlage klar geworden bin, geht es an die Aufnahme des momentanen Ist-Zustandes: Ist es ein ödes, erdbraunes, nur mit einem Neubau besetztes Grundstück oder ein vollkommen leeres, weißes Blatt, das mir entgegenstarrt, oder habe ich bereits ein paar Bäume/Sträucher/Begebenheiten/Szenen, die ich unbedingt in mein Werk miteinbauen will, und - im zweiteren Fall - lassen sie sich im Hinblick auf meinen vorher definierten Zweck auch einbauen? Vielleicht muss ich mich ja von ein paar unzweckdienlichen  Wunschvorstellungen wie einer subtropischen Wasserlandschaft und einer deutschen Südstaatenfamiliensaga verabschieden!?! Naja, wenigstens kann mir niemand verübeln, wenn ich dem heiteren Süden ein paar Tränen nachweine...
   Habe ich die aber schweren Herzens abgewischt, geht es bereits ans Vermessen, Zeichnen, Planen, Plotten und Sammeln von eventuell neuen Wunschelementen - doch dazu mehr beim nächsten Eintrag hier in meinem kleinen Schreibgarten!     

Montag, 9. März 2015

Wort-Wispern: Schreibtagebuch: Anfang und Ende

Wort-Wispern: Schreibtagebuch: Anfang und Ende: Er bräuchte nur einen guten Satz zu schreiben und von da an weiterzumachen, soll Hemingway einmal gesagt haben.  Leichter gesagt als getan...

Schreibtagebuch: Anfang und Ende

Er bräuchte nur einen guten Satz zu schreiben und von da an weiterzumachen, soll Hemingway einmal gesagt haben. 

Leichter gesagt als getan, kann ich dazu nur sagen, wenn dich ein vollkommen leeres, weißes Blatt Papier anstarrt oder dir auf dem Bildschirm ein vollkommen leeres, neues Dokument entgegenleuchtet... Wo ist er dann, der erste gute Satz, und vor allem, der zweite, dritte und vierte???
Manchmal lassen sie sich schon eine Weile bitten, bis sie sich dazu bequemen, auf dem Papier zu erscheinen, aber irgendwann, früher oder später, bringst du sie zum Fließen. Sie füllen die leeren, weißen Stellen aus, Seite um Seite, aus hunderten von Wörtern werden tausende, bis du schließlich feststellst: Jetzt ist es gut. Die Gedanken, die aus deinen Sätzen geworden sind, sind zu Ende gedacht; die Geschichte, die aus ihnen entstanden ist, ist abgeschlossen. Und unter tausende von Wörtern und Sätzen schreibst du das eine, entscheidende letzte Wort: Ende.  
Genau das tat ich vor einigen Tagen: Unter eine Geschichte, die ich monatelang, Tag und Nacht, in mir trug, hin-und herbewegte, formulierte und wieder umformulierte, setzte ich mein "Ende". Ein erhebendes Gefühl,  so etwas wie Stolz auf deine Schöpfung? Ja. Doch nicht ausschließlich. Was bleibt, ist auch ein wenig Leere. Trauer. Es gilt, Abschied zu nehmen von der vertrauten, erdachten Welt, von lieb gewordenen Figuren und dem Zustand, die Welt durch ihre Augen zu sehen! Abschied zu  nehmen, ist mir noch nie leicht gefallen.
Und überhaupt, was tue ich jetzt mit all der freien Zeit??? Wie gut, dass es mittlerweile Frühling ist und vor meinem Fenster ein in der Sonne dampfender Garten auf meine liebevolle Zuwendung wartet! Wer weiß, vielleicht wird in den nächsten Wochen auch dieser leicht vernachlässigte Blog ein wenig mehr zeitliche Zuwendung bekommen...
   

Donnerstag, 11. Dezember 2014

Schreibtagebuch

Manchmal gibt es Tage, die sind einfach nicht rund - und das merkt man auch beim Schreiben. Heute war einer dieser Tage: Ich sitze am Laptop, schreibe ... und lösche, schreibe ... und ändere, verwerfe, lösche, sodass ich nächstes Mal wieder an nahezu derselben Stelle anfangen muss wie heute =(
Zu meiner Aufmunterung hier ein Auszug aus einem meiner Bücher, das bereits existiert, "Ein Licht scheint in der Dunkelheit" (Weihnachts-Bildband):
Der Kamin ist das Tulpenbeet eines Wintertages, sagt ein altes persisches Sprichwort. Für mich allerdings ist er viel mehr als ein Tulpenbeet, unser kleiner schwarzer Kaminofen mit dem Sichtfenster auf seine hellen Flammen. Ein Tulpenbeet ist eine Freude fürs Auge und für die Nase, mein Kaminofen ist eine Quelle von vielerlei verschiedenen Freuden! 
Er schenkt mir Licht an zahlreichen Herbst- und Winterabenden, wenn es draußen schon seit Stunden dunkel ist und auch im Inneren des Hauses allmählich alle Stimmen verstummen und alle andern Lichter gelöscht werden. An solchen Abenden erfreue ich mich an den zuckenden Flammen, die meine Umgebung in warmes, heimeliges Licht tauchen. 
Er ist meine Zuflucht an Tagen, an denen kalte Winterwinde an den Fenstern rütteln, weiße Nebelschwaden alles in trübes Grau hüllen oder eisige Graupelschauer über dem gefrorenen Garten niedergehen. An solchen Tagen lehne ich mich an ihn und spüre, wie die Wärme des Feuers meinen Körper auftaut und meine Seele aufhellt.
Er ist die Energiequelle, die mir zur Weihnachtszeit den Tee aromatisch und warm hält, die Kastanien röstet und damit meiner Familie gemütliche Stunden der Gemeinschaft beschert.
Mein Kaminofen ist (nicht nur) zur Weihnachtszeit der Inbegriff von Licht, Wärme und Geborgenheit. Das Kind, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern, ist Licht, Wärme und Geborgenheit in Person!




Freitag, 21. November 2014

Schreibtagebuch

Schreibtagebuch - unter diesem Titel werde ich in Zukunft ein wenig über meine Tätigkeit 
als Autorin bloggen. Allerdings fürchte ich, dass daraus ebensogut ein Schreibwochenbuch oder sogar ein Schreibmonatsbuch werden könnte. Naja, aller Anfang ist schwer und mit der Zeit wird sich das Ganze hoffentlich einspielen =)
Heute also meine erste Meldung:
Nachdem mit "Das Licht im Fenster" im Juni mein letzter (historischer) Roman erschien, arbeite ich z.Z. an einem Manuskript der etwas anderen Art. Historisch wird es diesmal nicht wirklich... 
Als kleinen Vorgeschmack möchte ich hier mal einem meiner Protagonisten ein Wort in den Mund legen, das er/sie genau so von sich geben könnte: "Wenn mir nicht dauernd das Leben in den Weg kommen würde, würde ich den ganzen Tag lesen!"
Falls es euch, zumindest ansatzweise, manchmal ähnlich ergeht, dürft ihr euch in nächster Zeit auf weitere Zitate bzw. mögliche Auszüge aus meinem neuen Manuskript freuen!